Wenn ich Amazon-Accounts auditiere, höre ich fast immer den gleichen Satz: „Unser ACoS liegt bei 25 Prozent, ist das gut?“ Meine Antwort: Kommt drauf an. Denn ACoS allein sagt dir weniger, als du denkst.
Was ACoS wirklich misst
ACoS (Advertising Cost of Sale) ist simpel: Werbekosten geteilt durch Werbeumsatz. Wenn du 100 Euro ausgibst und 400 Euro darüber einnimmst, liegt dein ACoS bei 25 Prozent.
Das Problem: ACoS betrachtet nur den direkt zugeordneten Werbeumsatz. Er ignoriert komplett, was deine Ads für dein organisches Ranking, deine Brand Awareness und deine Gesamtprofitabilität tun.
Warum TACoS die bessere Steuerungsgröße ist
TACoS (Total Advertising Cost of Sale) setzt deine Werbekosten ins Verhältnis zum Gesamtumsatz, also Werbeumsatz plus organischer Umsatz. Und genau hier wird es spannend.
Ein sinkender TACoS bei steigendem Gesamtumsatz bedeutet: Deine Ads bauen organisches Momentum auf. Du wirst weniger abhängig von bezahlter Sichtbarkeit. Das ist das Ziel.
Ein steigender TACoS bei gleichbleibendem Umsatz bedeutet: Du pumpst mehr Geld rein, ohne dass es nachhaltig wirkt. Alarmstufe Orange.
Wie du deinen TACoS überhaupt berechnest
Amazon zeigt dir TACoS nirgends direkt an, du musst ihn selbst zusammenrechnen. Dafür brauchst du zwei Zahlen aus zwei verschiedenen Reports:
- Gesamtumsatz: aus dem Business Report (Detailseiten-Verkäufe und -Traffic nach ASIN), Zeitraum frei wählbar.
- Werbeausgaben: aus dem Sponsored-Ads-Report für denselben Zeitraum, über alle Kampagnentypen summiert.
TACoS = Werbeausgaben ÷ Gesamtumsatz. Rechne das wöchentlich auf Account-Ebene und monatlich auf Produktebene, einmalige Momentaufnahmen sagen wenig, der Trend über mehrere Wochen schon.
Ein praktisches Beispiel
Brand A hat einen ACoS von 30 Prozent. Klingt hoch. Aber ihr TACoS liegt bei 8 Prozent, weil 70 Prozent ihres Umsatzes organisch kommt. Die Ads finanzieren sich durch den Flywheel-Effekt.
Brand B hat einen ACoS von 18 Prozent. Klingt super. Aber ihr TACoS liegt bei 16 Prozent, weil fast der gesamte Umsatz über Ads läuft. Schaltest du die Werbung ab, bricht alles zusammen.
Welche Brand steht besser da? Eindeutig Brand A.
TACoS-Benchmarks nach Produktlebenszyklus
Ein gesunder TACoS ist keine feste Zahl, er hängt davon ab, in welcher Phase sich dein Produkt befindet:
| Phase | PPC-Sales-Anteil | Ziel-TACoS | Fokus |
|---|---|---|---|
| Launch | 50–90 % | 30–60 %+ | Ranking, Reviews, Sales-Velocity |
| Expansion | 30–50 % | 15–25 % | Aggressives Skalieren |
| Harvest | 20–30 % | 8–15 % | Profitmaximierung |
Ein Launch-TACoS von 40 Prozent ist normal und kein Grund zur Sorge. Der gleiche Wert in der Harvest-Phase wäre ein klares Warnsignal. Wie diese drei Phasen konkret aussehen, beschreibe ich in meinem 90-Tage-Plan für Amazon Produktlaunches.
Wie du TACoS in der Praxis nutzt
Setze dir TACoS-Ziele statt ACoS-Ziele. Für die meisten Kategorien außerhalb der Launch-Phase ist ein TACoS zwischen 5 und 12 Prozent ein gesunder Bereich.
Wenn dein TACoS über 15 Prozent liegt, hast du entweder ein Listing-Problem (Conversion Rate zu niedrig) oder ein Strukturproblem (zu viel Budget auf nicht-konvertierenden Keywords). Beides lässt sich über die Gebotsformel gegenchecken: Idealer Bid = Umsatz pro Klick × Ziel-ACoS. Wenn dein tatsächlicher Bid deutlich darunter liegt, verschenkst du Volumen, nicht Marge.
Der häufigste Fehler: ein „guter“ ACoS, der eigentlich ein Problem ist
Ein ACoS von 5 Prozent bei einem Ziel von 25 Prozent wirkt wie ein Erfolg. Meistens bedeutet es, dass dein Bid zu niedrig ist und du Sales-Volumen liegen lässt, nicht dass deine Kampagne besonders effizient läuft. Wie du Kampagnenstruktur und Gebote so aufsetzt, dass genau das nicht passiert, habe ich in meiner Übersicht zu aktuellen PPC-Strategien für 2026 zusammengefasst.
Fazit
ACoS ist nicht irrelevant, aber er ist ein taktisches Werkzeug, kein strategisches. TACoS gibt dir das Gesamtbild. Und nur mit dem Gesamtbild kannst du fundierte Entscheidungen treffen.
Genau diese Einordnung, taktische Kampagnen-Zahlen gegen die strategische Gesamtsicht zu spiegeln, ist der erste Schritt in jedem Marketplace Audit, das ich für Amazon-Marken durchführe.
Häufige Fragen zu ACoS und TACoS
Was ist ein guter ACoS-Wert?
Es gibt keinen universellen guten Wert, es kommt auf deine Marge und Phase an. Ein ACoS von 25 Prozent kann bei einer margenstarken, etablierten Marke schlecht sein und bei einem frischen Launch völlig normal.
Was ist ein guter TACoS-Wert?
Außerhalb der Launch-Phase liegt ein gesunder TACoS für die meisten Kategorien zwischen 5 und 12 Prozent. In der Launch-Phase sind 30 bis 60 Prozent oder mehr normal, weil noch kein organischer Umsatz vorhanden ist.
Wie berechne ich TACoS, wenn Amazon ihn nicht direkt anzeigt?
Nimm deinen Gesamtumsatz aus dem Business Report und deine Werbeausgaben aus dem Sponsored-Ads-Report für denselben Zeitraum. TACoS ist Werbeausgaben geteilt durch Gesamtumsatz.
Warum kann ein niedriger ACoS trotzdem ein Problem sein?
Ein sehr niedriger ACoS bei einem höheren Ziel bedeutet meistens, dass dein Bid zu niedrig gesetzt ist. Du verpasst dadurch Sales-Volumen, das du dir bei deiner Zielmarge eigentlich leisten könntest.
Sollte ich meine Kampagnen nach ACoS oder TACoS steuern?
Nutze ACoS für die taktische Steuerung einzelner Kampagnen und Keywords. Nutze TACoS als strategisches Ziel auf Account- und Produktebene, um zu sehen, ob deine Werbung insgesamt in die richtige Richtung wirkt.
Wie oft sollte ich TACoS tracken?
Wöchentlich auf Account-Ebene, monatlich auf Produktebene. Einzelne Wochen schwanken, der Trend über mehrere Wochen zeigt dir, ob du wirklich unabhängiger von bezahlter Sichtbarkeit wirst.
Ändert sich mein Ziel-TACoS je nach Produktphase?
Ja, deutlich. Launch-Phasen vertragen einen TACoS von 30 bis 60 Prozent oder mehr, in der Harvest-Phase sollte er auf 8 bis 15 Prozent sinken, sobald organischer Umsatz und Reviews aufgebaut sind.
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