Ein Produktlaunch auf Amazon ist kein Sprint, aber auch kein Blindflug. Die meisten Launches scheitern nicht am Produkt, sondern an fehlender Struktur in den ersten 90 Tagen. Hier ist der 90-Tage-Plan, den ich bei meinen Kunden einsetze.
Falls du gerade erst überlegst, ob und wie du auf Amazon starten sollst, ist mein Einstiegsguide für D2C-Marken der bessere erste Schritt. Hier geht es um den Launch selbst, wenn die Grundsatzentscheidung schon gefallen ist.
Phase 1: Tag 1–30, Fundament legen
In den ersten 30 Tagen geht es nicht um Umsatz. Es geht darum, die Grundlagen richtig zu setzen.
Listing-Optimierung: Titel, Bullet Points, Beschreibung und Backend-Keywords müssen sitzen, bevor du einen einzigen Euro in Ads steckst. Ich sehe regelmäßig Launches, bei denen Tausende Euro in Werbung fließen, auf ein Listing, das nicht konvertiert. Das ist, als würdest du Wasser in einen Eimer mit Loch gießen. Wie du dein Listing systematisch prüfst, findest du in meiner 20-Punkte-Checkliste, welche Hebel für organisches Ranking wirklich zählen, erkläre ich hier.
Bilder und A+ Content: Mindestens 7 Bilder, davon 2 bis 3 Infografiken, die die USPs klar kommunizieren. A+ Content ist kein Nice-to-have, sondern direkt conversion-relevant.
Initiale Reviews: Nutze das Amazon Vine-Programm, um erste authentische Bewertungen zu generieren. 15 bis 30 Vine-Reviews geben dir die soziale Beweiskraft, die Käufer brauchen.
Kampagnenstart: Starte mit einer Kombination aus Single-Keyword Exact Match auf deine 1 bis 3 wichtigsten Ranking-Keywords und einer Auto-Kampagne (Close Match). Der reine Fokus auf Exact Match, wie er noch bis 2024 Standard war, reicht 2026 nicht mehr aus, breiteres Targeting über Auto- und Category-Kampagnen liefert inzwischen oft genauso gute oder bessere Ergebnisse. Was sich an Kampagnentypen und Targeting-Optionen konkret verändert hat, habe ich hier zusammengefasst. Ziel in dieser Phase ist nicht Profitabilität, sondern Datensammlung.
Budget-Faustregel: Maximales Tagesbudget = tägliches Einheiten-Ziel × Produktpreis × angenommener TACoS. Da beim Launch keine historischen Daten vorliegen, rechne anfangs mit einem TACoS von 50 Prozent oder höher, fast der gesamte Umsatz kommt aus Ads. Sobald organische Sales einsetzen, korrigierst du die Annahme nach unten.
Phase 2: Tag 30–60, Sichtbarkeit aufbauen
Jetzt hast du erste Daten. Zeit, sie zu nutzen.
Keyword-Expansion: Deine Exact-Kampagnen haben dir gezeigt, welche Keywords konvertieren. Jetzt erweiterst du auf Phrase Match und Broad Match für die Gewinner. Gleichzeitig baust du eine aggressive Negativ-Keyword-Strategie auf.
Audience Bid Adjuster setzen: Aktiviere den Bid Adjuster „High Likelihood to Purchase based on Recent Shopping Activity“ auf deinen laufenden Kampagnen, mit 20 bis 25 Prozent als Startwert. Der Hebel ist inzwischen fester Bestandteil fast jeder gut laufenden Kampagne.
Sponsored Brands starten: Sobald du 3 oder mehr Produkte in einer Kategorie hast, starte Sponsored Brands Kampagnen, idealerweise mit Video. Sie erhöhen deine Markenpräsenz und unterstützen den organischen Ranking-Aufbau.
Organisches Ranking monitoren: Tracke deine Position für die Top-20-Keywords wöchentlich. Wenn du für dein Hauptkeyword von Position 80 auf 30 gestiegen bist, bist du auf dem richtigen Weg.
Phase 3: Tag 60–90, optimieren und skalieren
In dieser Phase geht es um Profitabilität und Nachhaltigkeit.
ACoS-Optimierung: Jetzt darfst du anfangen, auf Effizienz zu optimieren. Senke Gebote für Keywords mit hohem ACoS, erhöhe sie für Top-Performer. Wichtiger als der ACoS einzelner Kampagnen ist an diesem Punkt dein Gesamt-TACoS. Den Unterschied und warum TACoS die wichtigere Steuerungsgröße ist, erkläre ich im Detail hier.
Target Graduation: Keywords, die in deiner Auto- oder Broad-Match-Kampagne gut performen, lagerst du jetzt in eigene Exact-Match-Kampagnen aus. Das gibt dir volle Bid-Kontrolle über deine Top-Performer.
Sponsored Display: Starte Retargeting-Kampagnen für Besucher, die dein Listing gesehen, aber nicht gekauft haben. SD Product Targeting auf Wettbewerber ist ebenfalls ein starker Hebel. Eine STEP-Kampagne, Sponsored Products auf dein eigenes ASIN, wirkt zusätzlich wie Retargeting auf deine eigenen Listing-Besucher und läuft oft mit sehr niedrigem ACoS.
Bestandsplanung: Nichts killt einen erfolgreichen Launch schneller als Out-of-Stock. Plane deinen Nachschub auf Basis der aktuellen Velocity, und rechne mit 50 Prozent Puffer.
Die richtigen KPIs pro Phase
| Phase | PPC-Sales-Anteil | Ziel-TACoS | Fokus |
|---|---|---|---|
| Launch (Tag 1–90) | 50–90 % | 30–60 %+ | Ranking, Reviews, Sales-Velocity |
| Expansion | 30–50 % | 15–25 % | Aggressives Skalieren |
| Harvest | 20–30 % | 8–15 % | Profitmaximierung |
Diese Tabelle ist dein Realitäts-Check. Ein hoher TACoS in Tag 1 bis 90 ist kein Alarmsignal, ein hoher TACoS in der Harvest-Phase dagegen schon.
Die häufigsten Fehler beim Amazon Produktlaunch
Zu früh skalieren: Budget hochdrehen, bevor das Listing konvertiert, ist der teuerste Fehler überhaupt.
Keine Geduld mit organischem Ranking: Amazon braucht 6 bis 8 Wochen, um dein Produkt richtig einzuordnen. Wer nach 2 Wochen panisch die Strategie ändert, fängt immer wieder von vorne an.
Reviews ignorieren: Jede negative Review in der Frühphase wiegt schwer. Reagiere schnell, löse Probleme, und stelle sicher, dass dein Produkt hält, was das Listing verspricht.
Nur auf Exact Match setzen: Wer sein gesamtes Launch-Budget in enge Single-Keyword-Kampagnen steckt, verschenkt Reichweite. Category- und Product-Targeting auf Wettbewerber gehören inzwischen in jede Launch-Struktur.
Fazit
Ein strukturierter Launch gibt dir Klarheit, spart Budget und beschleunigt den Weg zum profitablen Produkt. Die 90 Tage sind eine Investition, aber eine, die sich auszahlt, wenn Listing, Kampagnenstruktur und KPI-Tracking von Anfang an zusammenspielen.
Genau dieses Zusammenspiel aus Listing, Kampagnenstruktur und Phasen-KPIs ist der Kern jeder Product-Launch-Begleitung, die ich für Amazon-Marken übernehme.
Häufige Fragen zum Amazon Produktlaunch
Wie lange dauert ein Amazon Produktlaunch?
Die ersten 90 Tage sind die kritische Phase für Ranking, Reviews und Kampagnenstruktur. Volle Profitabilität und ein stabiles organisches Ranking dauern bei den meisten Produkten aber eher 4 bis 6 Monate.
Wie hoch sollte mein Werbebudget beim Launch sein?
Berechne es über dein Einheiten-Ziel pro Tag mal Produktpreis mal angenommenem TACoS. Da beim Launch noch keine historischen Daten vorliegen, ist ein TACoS von 50 Prozent oder mehr in den ersten Wochen normal.
Lohnt sich Amazon Vine für den Launch?
Ja, für die meisten neuen Produkte. 15 bis 30 authentische Vine-Reviews geben dir die soziale Beweiskraft, die reine Kaltakquise über Ads nicht liefern kann, und wirken sich direkt auf die Konversionsrate aus.
Wann sollte ich mein Werbebudget hochskalieren?
Erst wenn dein Listing nachweislich konvertiert. Budget vor einer sauberen Konversionsrate zu erhöhen, ist der teuerste und häufigste Launch-Fehler.
Was tue ich bei Out-of-Stock kurz nach dem Launch?
Vorbeugen ist die einzige echte Lösung: Nachschub auf Basis der aktuellen Velocity planen und mit 50 Prozent Puffer rechnen. Ein Stockout in der Launch-Phase wirft dein organisches Ranking oft um Wochen zurück.
Brauche ich Sponsored Brands schon beim Launch?
Erst sobald du 3 oder mehr Produkte in einer Kategorie hast. Vorher fehlt meist die Sortimentsbreite, um eine Sponsored-Brands-Kampagne sinnvoll zu befüllen.
Wie messe ich, ob mein Launch erfolgreich läuft?
Über die drei Phasen-KPIs: PPC-Sales-Anteil, Ziel-TACoS und deine Position für die Top-20-Keywords. Ein hoher TACoS in den ersten 90 Tagen ist normal, in der Harvest-Phase wäre er ein Warnsignal.
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